Du planst einen Online-Shop oder willst E-Commerce-Funktionen in ein bestehendes Projekt integrieren? Dann stehst du vor einer wichtigen Entscheidung: Welches Shop-System nutzt du im Backend — und wie frei bist du bei der Wahl deines Frontends? In diesem Beitrag vergleiche ich die spannendsten Optionen für Headless Commerce.
Was bedeutet Headless Commerce?
Bei Headless Commerce wird das Frontend (der "Kopf") vom Backend (Warenwirtschaft, Checkout, Zahlungen) getrennt. Du bekommst eine API, über die du Produkte, Warenkörbe und Bestellungen steuerst — und baust dein Frontend mit dem Framework deiner Wahl: React, Next.js, Astro, Nuxt, SvelteKit oder was auch immer zu deinem Stack passt.
Die Kandidaten im Überblick
1. Shopify Storefront API
Shopify ist der Platzhirsch im E-Commerce und bietet mit der Storefront API eine mächtige GraphQL-Schnittstelle für Headless-Setups. Das Ökosystem ist riesig: Zahlungsanbieter, Apps, Fulfillment — alles out of the box. Mit Hydrogen liefert Shopify sogar ein eigenes React-Framework für performante Storefronts.
Vorteile: Riesiges Ökosystem, zuverlässige Infrastruktur, hervorragende Payment-Integration, Hydrogen-Framework, exzellente Dokumentation.
Nachteile: Monatliche Gebühren + Transaktionskosten, Vendor Lock-in, eingeschränkte Backend-Anpassung, Daten liegen bei Shopify.
2. Medusa.js
Medusa ist die Open-Source-Alternative zu Shopify und hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Mit Medusa 2.0 gibt es ein komplett modulares Architecture-System: Jede Funktion (Produkte, Bestellungen, Zahlungen, Fulfillment) ist ein eigenes Modul, das du austauschen oder erweitern kannst. Das Admin-Dashboard ist modern und das Framework setzt auf Node.js mit TypeScript.
Vorteile: 100% Open Source (MIT), modulare Architektur, TypeScript-first, Self-Hosted oder Cloud, starke Community, keine Transaktionsgebühren.
Nachteile: Self-Hosting erfordert DevOps-Know-how, kleineres Plugin-Ökosystem als Shopify, noch jüngeres Projekt.
3. Saleor
Saleor ist eine enterprise-grade Open-Source E-Commerce-Plattform, die auf Python (Django) und GraphQL setzt. Sie bietet ein leistungsfähiges Dashboard, Multi-Channel-Support und eine durchdachte API. Besonders interessant für Teams, die bereits Python-Expertise haben oder eine robuste, skalierbare Lösung suchen.
Vorteile: GraphQL-first API, Multi-Channel & Multi-Warehouse, starkes Dashboard, Cloud-Option (Saleor Cloud), Open Source.
Nachteile: Python-Stack (nicht für jedes Team ideal), komplexeres Setup als Medusa, höhere Einstiegshürde.
4. Commerce.js
Commerce.js ist eine API-first E-Commerce-Plattform, die sich besonders für Entwickler eignet, die schnell starten wollen. Die REST-API ist simpel und gut dokumentiert, und es gibt SDKs für JavaScript, React und Next.js. Ideal für kleinere bis mittlere Shops, die keine komplexe Backend-Logik brauchen.
Vorteile: Extrem einfache API, schneller Einstieg, gute SDKs, gehostete Infrastruktur, Free Tier verfügbar.
Nachteile: Weniger Kontrolle über Backend-Logik, begrenzte Anpassbarkeit, Abhängigkeit vom Anbieter, Preismodell kann bei Skalierung teuer werden.
5. Vendure
Vendure ist ein Headless-Commerce-Framework auf Basis von Node.js, TypeScript und NestJS. Es bietet eine GraphQL-API, ein Plugin-System und ein Admin-UI out of the box. Besonders spannend für TypeScript-Teams, die volle Kontrolle über ihren Commerce-Stack haben wollen.
Vorteile: TypeScript & NestJS, GraphQL-API, flexibles Plugin-System, gutes Admin-UI, Open Source (MIT).
Nachteile: Kleinere Community, weniger Integrationen als Shopify/Medusa, Self-Hosting erforderlich.
Vergleichstabelle
Hier eine Übersicht der wichtigsten Unterschiede:
Shopify — Lizenz: Proprietär | Sprache: Ruby | API: GraphQL | Hosting: Managed | Kosten: Ab ~36€/Monat + Gebühren
Medusa — Lizenz: MIT | Sprache: TypeScript/Node.js | API: REST + JS SDK | Hosting: Self-hosted/Cloud | Kosten: Kostenlos (Self-hosted)
Saleor — Lizenz: BSD | Sprache: Python/Django | API: GraphQL | Hosting: Self-hosted/Cloud | Kosten: Kostenlos (Self-hosted)
Commerce.js — Lizenz: Proprietär | Sprache: API-only | API: REST | Hosting: Managed | Kosten: Free Tier, dann ab $79/Monat
Vendure — Lizenz: MIT | Sprache: TypeScript/NestJS | API: GraphQL | Hosting: Self-hosted | Kosten: Kostenlos
Welches System für welches Projekt?
Schnell live gehen mit wenig DevOps? → Shopify oder Commerce.js. Managed Hosting, bewährte Infrastruktur, du konzentrierst dich aufs Frontend.
Volle Kontrolle und Open Source? → Medusa oder Vendure. Beide sind TypeScript-basiert, modular und du hostest selbst. Medusa hat die größere Community, Vendure den reiferen Plugin-Ansatz.
Enterprise mit Multi-Channel? → Saleor. GraphQL-first, Multi-Warehouse, Multi-Channel — gebaut für komplexe Anforderungen.
Bestehendes Projekt erweitern? → Hier glänzen alle Headless-Optionen. Du bindest die API an dein bestehendes Frontend an und musst kein Template-System eines Shop-Builders nutzen.
Fazit
Es gibt kein "bestes" Shop-System — nur das richtige für dein Projekt. Shopify bleibt die sicherste Wahl für schnellen Start mit professioneller Infrastruktur. Aber die Open-Source-Alternativen haben massiv aufgeholt: Medusa und Vendure bieten TypeScript-Entwicklern volle Kontrolle ohne Lizenzkosten, während Saleor mit Enterprise-Features punktet.
Mein Tipp: Starte mit einem kleinen Proof of Concept. Bau einen einfachen Produktkatalog mit Warenkorb in deinem bevorzugten Frontend-Framework und teste, wie sich die API anfühlt. So merkst du schnell, welches System zu deinem Workflow passt.
Du brauchst Hilfe bei der Wahl oder Umsetzung? Schreib mir — ich berate dich gerne, welche Lösung für dein Projekt am besten funktioniert.