Firebase war jahrelang der Standard für Backend ohne Backend. Dann kam Supabase als Open-Source-Alternative — und hat in kurzer Zeit eine riesige Community aufgebaut. Nach produktivem Einsatz beider Plattformen in verschiedenen Projekten hier mein ehrlicher Vergleich.
Datenbank: PostgreSQL vs. Firestore
Der fundamentalste Unterschied. Supabase setzt auf PostgreSQL — eine relationale Datenbank mit SQL, Joins, Constraints, Transaktionen und 30+ Jahren Reife. Firebase nutzt Firestore — eine NoSQL-Dokumentendatenbank, die für bestimmte Zugriffsmuster optimiert ist.
In der Praxis: Supabase fühlt sich an wie eine richtige Datenbank. Du modellierst relational, nutzt Foreign Keys und Constraints. Firestore zwingt dich zur Denormalisierung — bei einfachen Apps kein Problem, bei komplexen Datenmodellen ein Albtraum.
Realtime
Firebase Realtime war von Anfang an das Killer-Feature. Firestore-Listeners sind einfach und extrem zuverlässig. Supabase Realtime nutzt PostgreSQL Change Data Capture über WebSockets — funktioniert gut, ist aber jünger und hat begrenztere Filter-Möglichkeiten.
Auth
Quasi gleichwertig. Beide bieten:
- Email/Password
- OAuth
- Magic Links
- Phone Auth
Der große Unterschied: Bei Supabase ist Auth direkt in PostgreSQL integriert. Du kannst in Row-Level Security Policies direkt auf auth.uid() zugreifen. Bei Firebase ist Auth ein separater Service.
Row-Level Security vs. Security Rules
Supabase nutzt PostgreSQL RLS — SQL-Policies, die auf Datenbankebene greifen, egal ob du über die API, Edge Functions oder direkt per SQL zugreifst. Für Multi-Tenant-Apps ist das Gold wert. Firestores Security Rules sind eine eigene DSL, die separat deployed wird — funktioniert, aber die Syntax ist ungewohnt und komplexe Regeln werden schnell unübersichtlich.
Vendor Lock-in
Supabase ist Open Source — du kannst den kompletten Stack selbst hosten. Deine Daten liegen in Standard-PostgreSQL. Firebase ist ein Google-Produkt mit proprietären Systemen. Migration von Firestore ist ein signifikantes Projekt.
Pricing
Firebase rechnet nach Reads/Writes/Storage ab — kann bei vielen Realtime-Listeners schnell teuer werden. Supabase nutzt ein Tier-basiertes Modell:
- Free
- Pro (25 Dollar/Monat)
- Team (599 Dollar/Monat)
- Enterprise
Das ist vorhersehbarer. Bei Scale wird Supabase tendenziell günstiger.
Edge Functions vs. Cloud Functions
Firebase Cloud Functions laufen auf Node.js mit Cold Starts von 1-3 Sekunden. Supabase Edge Functions laufen auf Deno mit Cold Starts unter 200ms. Dafür ist Firestores Ecosystem reifer — Scheduled Functions, Pub/Sub Triggers und Background Functions sind battle-tested.
TypeScript-Support
Ein oft übersehener Vorteil von Supabase: Du kannst TypeScript-Types direkt aus deinem Datenbankschema generieren. End-to-End Type-Safety von der Datenbank bis zum Frontend — ohne manuell Interfaces zu schreiben.
Meine Empfehlung
Supabase, wenn du:
- relationale Daten hast
- SQL kannst oder lernen willst
- Vendor Lock-in vermeiden möchtest
- eine Multi-Tenant-App baust
Firebase, wenn du:
- im Google-Ökosystem bist
- eine mobile-first App mit Offline-Sync brauchst
- Features wie Analytics, Crashlytics und Remote Config nutzen willst
Fazit
Supabase hat Firebase in vielen Bereichen überholt — besonders bei Datenmodellierung, Vendor Lock-in und Pricing-Transparenz. Firebase hat seine Stärken im Google-Ecosystem und bei Offline-first Mobile Apps. Für neue Projekte greife ich zu Supabase, es sei denn, es gibt einen spezifischen Grund für Firebase. PostgreSQL schlägt NoSQL in den meisten realen Anwendungsfällen.